Reismilch ist der stillste Kandidat im Pflanzendrink-Regal. Sie hat weder den cremigen Auftritt der Hafermilch noch den kräftigen Eigengeschmack von Soja, und genau das ist ihr Verkaufsargument. Wer irgendetwas nicht verträgt, landet früher oder später bei ihr.
Geschmacklich ist sie trotzdem alles andere als neutral. Sie hat eine auffällige Süße, die niemand zugesetzt hat, und eine Konsistenz, die viele beim ersten Schluck irritiert.
Wie schmeckt Reismilch genau?
Reismilch schmeckt deutlich süßlich, sehr mild getreidig und ausgesprochen dünn, fast wässrig, mit einem leicht kreidigen Nachgeschmack. Sie ist die süßeste der gängigen Pflanzenalternativen und gleichzeitig die mit dem geringsten Körper.
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Der Geschmack erinnert an sehr verdünnten Milchreis ohne Zimt, oder an das Wasser, in dem Reis gekocht wurde, nur süßer. Im Mund fehlt der Film, den Kuhmilch oder Hafermilch hinterlassen. Sie fließt eher wie Wasser, was manche als erfrischend empfinden und andere als enttäuschend.
Der leicht mehlige Nachhall stammt von feinen Stärkepartikeln, die in der Schwebe bleiben. Deshalb steht auf fast jeder Packung der Hinweis, sie vor Gebrauch zu schütteln.
Woher die Süße kommt
Das ist der interessanteste Punkt an diesem Getränk. Reismilch enthält in der Regel keinen zugesetzten Zucker und schmeckt trotzdem süß.
Der Grund liegt im Herstellungsverfahren. Die Verbraucherzentrale beschreibt es in ihrer Übersicht zu Milchalternativen so: Gemahlene Vollkornreiskörner werden gekocht und mit Enzymen versetzt. Diese Enzyme spalten die Reisstärke in kürzere Zuckerbausteine auf, vor allem Maltose. Das gewonnene Filtrat ist wässrig und wird anschließend mit Pflanzenöl versetzt, wodurch es seine weiße Farbe bekommt.
Die Süße entsteht also aus der Stärke des Reises selbst, nicht aus dem Zuckersack. Je länger der enzymatische Abbau läuft, desto süßer wird das Ergebnis. Auf der Zutatenliste steht deshalb oft nur Wasser, Reis, Öl und Salz, obwohl in der Nährwerttabelle ein zweistelliger Zuckerwert auftaucht.
Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat 2024 55 Pflanzendrinks untersucht und dabei bemängelt, dass bei 9 von 55 Proben die Fermentation der Getreidezutaten nicht ordentlich in der Zutatenliste vermerkt war, obwohl dabei genau dieser Zucker entsteht.
Wenig drin außer Süße
Wer Reismilch als Nährstoffquelle betrachtet, wird enttäuscht. Sie enthält kaum Eiweiß, deutlich weniger als Sojadrink und auch weniger als Haferdrink. Von Natur aus fehlt ihr außerdem Calcium.
Deshalb werden die meisten Produkte angereichert. Üblich ist ein Calciumgehalt von 120 Milligramm je 100 Milliliter, ein Wert, der sich am Gehalt der Kuhmilch orientiert. Wer eine Bio-Variante kauft, sollte allerdings genau hinschauen, denn in Bio-Produkten ist die Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen weitgehend nicht zulässig.
Der Punkt, den man kennen sollte: Arsen
Reis nimmt aus dem Boden mehr anorganisches Arsen auf als andere Getreide, und das gilt auch für Produkte, die daraus gemacht werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dazu Fragen und Antworten zu Arsengehalten in Reis und Reisprodukten veröffentlicht.
Für Erwachsene, die Reismilch gelegentlich trinken, ist das kein Grund zur Sorge. Das BfR empfiehlt aber ausdrücklich, Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit reisbasierten Getränken oder Beikost auf Reisbasis zu ernähren. Kinder nehmen bezogen auf ihr Körpergewicht deutlich mehr auf als Erwachsene.
Rechtlich ist der Bereich inzwischen geregelt. Für geschliffenen Reis gilt ein Höchstgehalt von 0,20 Milligramm je Kilogramm, für Vollkorn- und Parboiled-Reis 0,25 Milligramm, und für Reis, der zu Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder verarbeitet wird, 0,10 Milligramm. Seit 2023 sind auch Reismehl und alkoholfreie Getränke auf Reisbasis erfasst.
Praktisch heißt das: Reismilch ist ein Getränk für ältere Kinder und Erwachsene, aber kein Milchersatz für Babys. Als Säuglingsnahrung ist kein Pflanzendrink geeignet.
Wozu Reismilch passt
Die dünne Konsistenz und die Süße geben die Einsatzgebiete ziemlich klar vor:

- Über Müsli und Cornflakes, wo sie die Süße gleich mitliefert und kein zusätzlicher Zucker nötig ist
- In Smoothies, weil sie den Fruchtgeschmack nicht überdeckt
- In hellen Suppen und Saucen, sofern sie nicht binden müssen
- In Pancakes und Waffelteig, wo die Flüssigkeit ohnehin nur Träger ist
- Pur, gut gekühlt, als leichtes Getränk
Weniger gut funktioniert sie im Kaffee. Sie schäumt kaum, weil ihr Eiweiß und Fett dafür fehlen, und sie flockt in säurehaltigem Kaffee leichter aus als Hafer- oder Sojadrink. Auch Puddings und Cremes werden mit ihr selten fest.
Reismilch im Vergleich
- Gegen Hafermilch: Hafermilch ist cremiger, voller und getreidiger. Sie ist ebenfalls von Natur aus süß, aber weniger dünn.
- Gegen Sojamilch: Soja hat mit Abstand am meisten Eiweiß und einen deutlich bohnigen Eigengeschmack. Reismilch ist neutraler, aber nährstoffärmer.
- Gegen Mandelmilch: Mandelmilch schmeckt nussiger und weniger süß, ist aber ähnlich dünn.
- Gegen Kokosmilch: kein sinnvoller Vergleich, Kokosmilch ist deutlich fetter und aromatischer.
- Gegen Kuhmilch: Reismilch ist süßer, dünner und enthält kaum Eiweiß. Als Getränk funktioniert sie, als Nährstofflieferant ersetzt sie Milch nicht.
Kurz zusammengefasst
Reismilch schmeckt süß, dünn und mild getreidig, mit einem leicht kreidigen Nachgeschmack. Die Süße kommt nicht aus zugesetztem Zucker, sondern daraus, dass Enzyme die Reisstärke aufspalten. Sie ist die neutralste und zugleich nährstoffärmste der gängigen Pflanzenalternativen, für Babys und Kleinkinder wegen des Arsengehalts nicht geeignet und im Kaffee ziemlich unbrauchbar. Über Müsli dagegen macht sie ihre Sache gut. Wer wissen will, ob Reis auch sonst verträglich ist, findet Antworten im Beitrag Ist Reis glutenfrei?

