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Wie schmeckt ein Insektenburger?

Ein Insektenburger schmeckt überraschend unspektakulär: nussig, leicht röstig und im Grunde nach dem, womit er gewürzt wurde. Am nächsten kommt der Vergleich mit einem Falafelbratling. Von Insekten schmeckt man nichts, weder Beine noch Panzer noch irgendetwas, das an ein Tier erinnert.

Das liegt daran, dass die Larven getrocknet und vermahlen werden, bevor sie in den Bratling kommen. Übrig bleibt ein Proteinmehl mit milder, nussiger Grundnote, vergleichbar mit gerösteten Sonnenblumenkernen.

Woraus besteht ein Insektenburger?

Das bekannteste in Deutschland verkaufte Produkt bestand zu rund 27 Prozent aus Buffalowürmern, den Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus). Der Rest waren Sojabohnen, Zwiebeln, Ei und Gewürze.

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Die Larven werden in geschlossenen Anlagen gezüchtet, meist in den Niederlanden und Belgien, getrocknet und zu Mehl vermahlen. Von dem, was der Name suggeriert, ist im Endprodukt nichts mehr zu erkennen.

Getrocknete Buffalowürmer in einer Keramikschale auf einem Holztisch
Buffalowürmer sind die häufigste Zutat für Insektenburger (Bild KI-generiert)

Welche Insekten sind in der EU überhaupt zugelassen?

Das ist der Punkt, an dem sich seit den ersten Insektenburgern am meisten verändert hat. Insekten gelten in der EU als neuartige Lebensmittel und brauchen eine Einzelzulassung nach der Novel-Food-Verordnung. Derzeit sind vier Arten zugelassen:

Gelber Mehlwurm (Tenebrio molitor), zugelassen als erste Art überhaupt, ganz, gemahlen oder als Pulver. Seit Februar 2025 ist zusätzlich ein UV-behandeltes Pulver zugelassen.

Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), seit Ende 2021, gefroren, getrocknet oder gemahlen.

Hausgrille oder Heimchen (Acheta domesticus), ebenfalls seit 2021, ganz, gefroren, gefriergetrocknet oder als Pulver.

Buffalowurm, also die Larve des Getreideschimmelkäfers, seit Januar 2023, gefroren, als Paste, getrocknet oder gemahlen.

Alles andere, was gelegentlich als essbar aufgezählt wird, von Ameisen über Zikaden bis zu Seidenspinnerraupen, ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen, auch wenn es anderswo auf der Welt gegessen wird.

Kennzeichnung: Man erkennt es an der Zutatenliste

Eine verbreitete Sorge lautet, Insekten könnten heimlich in Lebensmitteln landen. Das ist nicht der Fall: In der Zutatenliste müssen der wissenschaftliche und der deutsche Name stehen, dazu die Form, also etwa getrocknet oder als Pulver. Auf der Packung steht dann beispielsweise „Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“.

Verpflichtend ist zudem ein Allergiehinweis in unmittelbarer Nähe der Zutatenliste. Die Verbraucherzentrale fasst die geltenden Regeln in einer Übersicht der zugelassenen Insekten zusammen.

Wichtig für Allergiker

Dieser Punkt wird oft überlesen und ist der praktisch relevanteste. Wer auf Krebstiere, Weichtiere oder Hausstaubmilben allergisch reagiert, kann auch auf Insekten reagieren.

Der Grund ist ein Eiweiß namens Tropomyosin, das in all diesen Gruppen sehr ähnlich aufgebaut ist. Das Immunsystem unterscheidet es nicht zuverlässig, weshalb es zu Kreuzreaktionen kommt. Wer eine solche Allergie hat, sollte Insektenprodukte deshalb nicht auf eigene Faust ausprobieren.

Sind Insektenburger vegetarisch oder vegan?

Nein. Insekten sind Tiere, damit sind Produkte aus ihnen weder vegetarisch noch vegan. Daran ändern auch die besseren Haltungsbedingungen im Vergleich zur Nutztierhaltung nichts.

Interessanterweise ist das trotzdem ein häufiges Missverständnis, weil Insektenprodukte im Supermarkt oft im selben Regal stehen wie Fleischalternativen.

Wie nachhaltig ist das wirklich?

Insekten schneiden bei Futter-, Wasser- und Flächenbedarf deutlich besser ab als Rinder, weil sie wechselwarm sind und keine Energie für die Körpertemperatur aufwenden müssen. Sie verwerten Futter also effizienter.

Der Vergleich hat allerdings Grenzen. Gegenüber pflanzlichen Proteinquellen wie Hülsenfrüchten ist der Vorteil gering bis nicht vorhanden, und die Zucht in beheizten Hallen kostet Energie. Insekten sind also eine bessere Alternative zu Rindfleisch, nicht automatisch die beste Option überhaupt.

Wie verbreitet ist der Insektenverzehr?

Hier kursieren stark übertriebene Zahlen. Die häufig zitierte Angabe, 80 Prozent der Weltbevölkerung äßen Insekten, ist falsch. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen geht von rund zwei Milliarden Menschen aus, also grob einem Viertel der Weltbevölkerung, vor allem in Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

Bemerkenswert ist dabei eine Asymmetrie in der Wahrnehmung: Während der sichtbare Insektenburger Widerstand auslöst, steckt mit Karmin (E 120) seit Jahrzehnten ein Farbstoff aus zerkleinerten Schildläusen unbeanstandet in Joghurts, Süßwaren und Lippenstiften.

Frittierte essbare Insekten in Metallschalen an einem Marktstand
In Südostasien gehören frittierte Insekten zum normalen Straßenessen (Bild KI-generiert)

Nährwerte

Insektenmehl liefert viel Eiweiß, dazu Eisen, Zink, Magnesium und B-Vitamine sowie einen relativ hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren. Beim fertigen Burger hängt der Nährwert allerdings stark davon ab, was sonst noch drin ist, und Fertigbratlinge sind häufig recht salzreich.

Ein Superfood ist das nicht, und weitergehende gesundheitliche Versprechen sind nicht belegt. Was Insektenprodukte tatsächlich sind: eine brauchbare, proteinreiche Alternative mit vertretbarer Ökobilanz, deren größte Hürde nicht der Geschmack ist, sondern der Kopf.

Susanne
Susanne
Ich schreibe seit 2018 für wie-schmeckt.de und lande dabei fast immer bei den Themen, um die andere einen Bogen machen: Surströmming, Balut, frittierte Skorpione, dazu die ganze Bandbreite an Körpersekreten, über die niemand gern spricht. Zwei eigene Kinder haben mir nebenbei einen sehr direkten Zugang zu Muttermilch, Kolostrum und Plazenta verschafft. Zwischendurch schreibe ich über Kardamom, Kefir oder Burrata, damit der Kopf wieder frei wird.
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