
Königskrabbe gehört zu den teuersten Delikatessen aus dem Meer, und wer sie einmal probiert hat, versteht meist schnell, warum. Das Fleisch aus den langen, stacheligen Beinen schmeckt süß und gleichzeitig herzhaft-salzig, ganz anders als das der meisten anderen Krebstiere. Ich habe mir angeschaut, woher der besondere Geschmack kommt, warum die Krabbe so teuer ist und was hinter ihrer ungewöhnlichen Geschichte in der Barentssee steckt.
Wie schmeckt Königskrabbe genau?
Das Fleisch der Königskrabbe ist deutlich süßer als das der meisten Krabbenarten und erinnert im ersten Moment an Hummer, nur milder und feiner. Wo Hummerfleisch fest und leicht gummiartig ist, zerfällt Königskrabbenfleisch beim Kauen fast von selbst in zarte, saftige Fasern. Wer die beiden direkt vergleichen will, findet in unserem Artikel zu Hummer eine gute Referenz, denn geschmacklich liegen beide Tiere in einem ähnlichen Register, nur dass die Krabbe spürbar delikater und weniger kompakt ist.
Neben der Süße schmeckt man eine feine, salzig-mineralische Note, die direkt vom kalten, nährstoffreichen Wasser stammt, in dem die Tiere leben. Fachleute ordnen diesen vollmundigen, leicht meerigen Grundton oft dem Umami-Geschmack zu, jener fünften Geschmacksrichtung, die auch reifen Käse oder Sojasauce ihre Tiefe verleiht. Genau diese Kombination aus Süße, Salzigkeit und Umami macht Königskrabbe zu einem der komplexeren Krustentiere überhaupt.
Fleisch aus den Beinen: Menge und Textur
Im Gegensatz zu Garnelen oder Taschenkrebsen wird bei der Königskrabbe fast ausschließlich das Fleisch aus den überlangen Beinen und Scheren gegessen, der Körper selbst liefert kaum verwertbare Mengen. Das mag nach wenig klingen, doch weil die Tiere teils über zwei Meter Beinspannweite erreichen und mehrere Kilogramm wiegen können, liefert ein einzelnes Exemplar erstaunlich viel Fleisch, oft mehrere hundert Gramm reine Beinmuskulatur.
Die Textur ist strähnig-faserig, ähnlich wie bei Garnelen, nur deutlich großzügiger in der Faserstruktur, und bleibt auch nach dem Kochen bemerkenswert saftig. Die dünneren Beinsegmente lassen sich meist mit der Hand oder einer kleinen Schere aufbrechen, das Fleisch löst sich dann fast am Stück heraus, eine der angenehmen Eigenheiten dieser Krabbe im Vergleich zu kleineren Krebstieren.
Herkunft: vom Nordpazifik in die Barentssee
Die Rote Königskrabbe (Paralithodes camtschaticus), auch Kamtschatkakrabbe genannt, stammt ursprünglich aus dem Nordpazifik, vor allem aus den Gewässern rund um Kamtschatka, Alaska und die Beringsee. Dort wird sie seit Jahrzehnten kommerziell befischt und ist die Basis für einen der bekanntesten Fischereizweige Alaskas.
Weniger bekannt ist, dass die Art heute auch in einem völlig anderen Meer vorkommt: der Barentssee vor Nordnorwegen und Russland. Zwischen 1961 und 1969 setzten sowjetische Wissenschaftler, allen voran der Biologe Juri Orlow, gezielt Zehntausende Jungtiere und Millionen Larven in der Barentssee aus, um eine neue Nahrungsquelle für die Region zu schaffen. Die Population etablierte sich erfolgreich und breitete sich seither immer weiter entlang der norwegischen Küste aus, wie eine Übersichtsstudie im ICES Journal of Marine Science dokumentiert.
Für die Fischerei in Norwegen und Russland ist das ein lukratives Geschäft, für das lokale Ökosystem allerdings ein Problem: Die Königskrabbe gilt heute als invasive Art, die als Allesfresser den Meeresboden regelrecht leerräumt und einheimische Bodenlebewesen verdrängt. Sie ist damit eines der seltenen Beispiele, in denen eine bewusst eingeführte Art gleichzeitig wirtschaftlich wertvoll und ökologisch problematisch ist.

Warum Königskrabbe so teuer ist
Der hohe Preis hat weniger mit Seltenheit zu tun als mit dem Aufwand und Risiko der Fangmethode. Königskrabben leben in kaltem, tiefem Wasser und werden meist im Herbst und Winter mit schweren Fangkörben gefischt, oft bei Sturm und auf vereisten Decks. Die Fischerei in der Beringsee vor Alaska, bekannt aus der Fernsehserie „Deadliest Catch“, galt lange als eine der gefährlichsten Berufe überhaupt: In den späten 1990er-Jahren kamen im Schnitt acht Fischer pro Jahr ums Leben, bei einer Todesrate, die die meisten anderen Berufe bei Weitem übertraf.
Seit die US-Küstenwache strengere Sicherheitskontrollen eingeführt hat und 2006 ein Quotensystem die frühere „Olympic-Style“-Fischerei ablöste, bei der alle Boote gleichzeitig um eine Gesamtquote wetteiferten, ist die Zahl der Todesfälle deutlich gesunken. Die Saison bleibt trotzdem kurz, körperlich extrem fordernd und stark reguliert, was das Angebot künstlich begrenzt und den Preis hochhält.
Nährwerte: viel Protein, wenig Fett
Ernährungsphysiologisch gehört Königskrabbe zu den mageren, proteinreichen Meeresfrüchten. Pro 100 Gramm liefert das Fleisch rund 20 Gramm Eiweiß bei nur wenig Fett und praktisch keinen Kohlenhydraten. Besonders auffällig ist der Gehalt an Selen, ein Spurenelement, von dem eine einzige Portion bereits einen großen Teil des Tagesbedarfs deckt, sowie an Vitamin B12, Kupfer und Zink, die alle für Immunsystem, Nervenfunktion und Blutbildung wichtig sind.
Wer aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch verzichtet, aber nicht komplett pflanzlich essen möchte, findet in Meeresfrüchten wie der Königskrabbe eine nährstoffreiche Alternative, ein Grund, warum auch viele Pescetarier Krebstiere regelmäßig auf den Speiseplan setzen.
Am Ende ist Königskrabbe eines dieser Lebensmittel, bei denen sich der hohe Preis tatsächlich im Geschmack widerspiegelt. Wer sie einmal frisch aus der Schale gegessen hat, mit etwas zerlassener Butter und einem Spritzer Zitrone, versteht schnell, warum sie neben Hummer, Kaviar und Jakobsmuscheln zu den absoluten Spitzenprodukten aus dem Meer gezählt wird.



