
Pekannüsse landen bei mir meistens im Herbst auf dem Tisch, wenn die ersten frischen Nüsse in den Läden auftauchen. Auf den ersten Blick sehen sie ihrer Verwandten, der Walnuss, ziemlich ähnlich. Im Mund merkt man dann aber schnell, dass da etwas anderes passiert: Pekannüsse schmecken deutlich süßer, milder und buttriger als Walnüsse, ohne deren herbe, leicht bittere Note.
Ich habe mir angeschaut, woher dieser Unterschied kommt, welche Rolle die Pekannuss in der amerikanischen Küche spielt und was sie ernährungsphysiologisch zu bieten hat.
Wie schmecken Pekannüsse genau?
Der erste Eindruck ist buttrig und leicht süßlich, fast schon karamellig. Anders als bei der Walnuss fehlt der herbe, adstringierende Nachgeschmack, der vor allem von der dünnen Haut um den Walnusskern kommt. Bei der Pekannuss ist diese Haut deutlich dezenter ausgeprägt, weshalb der Kern insgesamt runder und weicher schmeckt.
Die Textur passt dazu: Pekannüsse sind etwas weicher und ölhaltiger als Walnüsse, was ihnen diesen schmelzenden, fast schon dessertartigen Charakter verleiht. Genau deshalb landen sie so oft in süßem Gebäck, während Walnüsse eher zu Salaten, Käse oder herzhaften Gerichten passen. Wer den direkten Vergleich sucht, findet ihn gut zusammengefasst bei Nussmart: mild, butterig und leicht süßlich auf der einen Seite, kräftiger, herber und deutlich bitterer auf der anderen.
Geröstet verstärkt sich dieser Karamell-Ton noch einmal spürbar, weshalb geröstete Pekannüsse als Snack so beliebt sind, oft leicht gesalzen oder mit einer feinen Zuckerkruste.
Enge Verwandtschaft mit der Walnuss
Der ähnliche Geschmack kommt nicht von ungefähr: Pekannüsse gehören wie Walnüsse zur Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae), botanisch aber zur Gattung Carya, der Hickory-Gruppe. Der wissenschaftliche Name lautet Carya illinoinensis. Anders als der klassische Walnussbaum stammt die Pekannuss allerdings ausschließlich aus Nordamerika und wurde nie in Europa heimisch, was erklärt, warum sie hierzulande lange ein Nischenprodukt war.
Wer sich für die Familie der Nüsse insgesamt interessiert, findet auf wie-schmeckt.de auch Hintergründe zu Macadamianüssen und zur Frage, ob die Erdnuss überhaupt eine echte Nuss ist.
Herkunft: von den Ufern des Mississippi in die Welt
Ursprünglich stammt die Pekannuss aus den Flussniederungen des Mississippi- und Rio-Grande-Gebiets im Süden der heutigen USA und im Norden Mexikos, wie unter anderem waldwissen.net beschreibt. Indigene Völker wie die Algonkin, Choctaw und Creek nutzten die Nüsse schon vor über tausend Jahren als wichtiges Nahrungsmittel. Der Name geht auf das Algonkin-Wort für „eine Nuss, die man mit einem Stein knacken muss“ zurück, eine ziemlich treffende Beschreibung der harten Schale.
Im 18. Jahrhundert begannen europäische Siedler in Louisiana und Texas mit der gezielten Kultivierung. 1919 wurde der Pekannussbaum offiziell zum Staatsbaum von Texas erklärt, ein Zeichen dafür, wie fest die Nuss in der Südstaaten-Identität verankert ist. Heute liefern vor allem Georgia, Texas, New Mexico und Oklahoma den Großteil der US-Ernte, die USA bleiben weltweit der wichtigste Produzent.
Pecan Pie: das Herzstück der Südstaaten-Küche
Kaum ein Gebäck ist so eng mit einer Region verbunden wie der Pecan Pie mit den amerikanischen Südstaaten. Die Grundidee, Pekannüsse mit einer süßen, sirupartigen Masse aus Zucker und Sirup in einer Mürbeteighülle zu backen, geht vermutlich auf französische Siedler in Louisiana zurück. Richtig populär wurde der Kuchen aber erst in den 1930er-Jahren, als der Sirup-Hersteller Karo das Rezept auf seinen Flaschen abdruckte und damit in unzähligen amerikanischen Haushalten verbreitete.
In Georgia, Louisiana, Mississippi, North Carolina, Tennessee und Texas gehört Pecan Pie bis heute zu den beliebtesten Nachspeisen überhaupt, in Texas trägt er sogar den Titel offizielles Staatsdessert. Traditionell kommt er zu Thanksgiving oder Weihnachten auf den Tisch, mit ganzen Pekannusshälften, die in konzentrischen Kreisen auf der glänzenden Füllung angeordnet werden.

Nährwerte: viel gesunde Energie auf kleinem Raum
Pekannüsse sind mit rund 700 Kilokalorien und etwa 73 Gramm Fett pro 100 Gramm echte Energiepakete, wie die AOK in ihrem Ernährungsmagazin zusammenfasst. Der Großteil davon entfällt auf einfach ungesättigte Fettsäuren, die sich positiv auf den Cholesterinspiegel und die Herzgesundheit auswirken können. Dazu kommen etwa 9 Gramm Eiweiß und knapp 10 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm, die für ein langes Sättigungsgefühl sorgen.
Besonders interessant ist der Gehalt an Antioxidantien: Pekannüsse enthalten nennenswerte Mengen an Ellagsäure, Flavonoiden und Vitamin E, die oxidativen Stress im Körper abfangen können. Dazu liefern sie eine gute Portion Mangan, ein Spurenelement, das am Knochenstoffwechsel, an der Blutgerinnung und am körpereigenen antioxidativen Schutzsystem beteiligt ist. Schon eine kleine Handvoll von 20 bis 30 Gramm am Tag deckt einen relevanten Teil des täglichen Mangan-Bedarfs.
Wie man Pekannüsse am besten verwendet
Pur geknackt sind Pekannüsse schon ein Genuss, aber ihre Süße macht sie auch zu einem vielseitigen Zutat in der Küche. Geröstet und leicht gesalzen sind sie ein Snack für zwischendurch, im Müsli oder Salat sorgen sie für Biss und eine feine Süße. In der Backstube tauchen sie klassisch in Keksen, Brownies und natürlich im Pecan Pie auf, aber auch in herzhaften Kombinationen mit Blauschimmelkäse oder als Kruste für Fisch und Geflügel machen sie eine gute Figur.
Wer öfter mit Nüssen kocht, merkt schnell: Pekannüsse werden schneller ranzig als robustere Sorten, weil ihr hoher Anteil an ungesättigten Fetten empfindlich auf Licht, Wärme und Sauerstoff reagiert. Im Kühlschrank oder sogar im Gefrierfach, gut verschlossen, halten sie sich deutlich länger und behalten ihren feinen, buttrigen Geschmack.



