StartGewürzeWie schmeckt Safran?

Wie schmeckt Safran?

Safran schmeckt herb-bitter, leicht metallisch und heuartig, mit einer Note, die an getrocknetes Gras und warmes Holz erinnert. Er schmeckt in keinem Fall süß. Das ist der erste und wichtigste Test: Was süß schmeckt, ist kein Safran. Der Duft dagegen ist süßlich, mit Anklang an Honig, Tabak und Vanille. Diese Diskrepanz zwischen Geruch und Geschmack ist typisch und chemisch gut erklärt.

Drei Stoffe machen den Safran aus

Der gesamte Charakter des Gewürzes lässt sich auf drei Substanzgruppen zurückführen:

Crocin ist der Farbstoff. Er ist wasserlöslich und färbt Flüssigkeiten intensiv goldgelb, weshalb schon wenige Fäden eine ganze Paella oder ein Risotto einfärben. Picrocrocin ist der Bitterstoff und damit für den eigentlichen Geschmack zuständig. Safranal entsteht beim Trocknen aus Picrocrocin und trägt das Aroma. Je nach Trocknung und Lagerung verschiebt sich das Verhältnis, weshalb alter Safran zwar noch färbt, aber kaum noch duftet.

Praktisch folgt daraus eine einfache Regel: Safranfäden gehören vorher in warme Flüssigkeit, in Milch, Brühe oder Wein, mindestens für eine Viertelstunde. Wer sie trocken ins Gericht wirft, bekommt Farbtupfer statt Aroma.

Wo kommt Safran her?

Der Safran-Krokus (Crocus sativus) gehört zur Gattung der Krokusse und wird in Iran, Afghanistan, Kaschmir, Marokko, Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei angebaut. Der weitaus größte Teil der Weltproduktion stammt aus dem Iran.

Das Gewürz besteht aus den getrockneten roten Narbenschenkeln der Blüte. Jede Blüte trägt genau drei davon, und sie müssen von Hand herausgezupft werden. Für ein Kilogramm getrockneten Safran braucht es dadurch rund 150.000 bis 200.000 Blüten. Die Pflanze ist zudem steril und vermehrt sich nur über Tochterknollen, was den Anbau zusätzlich aufwendig macht.

Blühender Safran-Krokus mit roten Narbenschenkeln
Aus jeder Krokusblüte lassen sich nur drei rote Narbenschenkel ernten (Bild KI-generiert)

Was kostet Safran?

Weil die Ernte vollständig per Hand erfolgt und eine Pflückerin am Tag nur eine begrenzte Menge schafft, liegen die Einzelhandelspreise üblicherweise zwischen 10 und 30 Euro pro Gramm. Nach oben ist die Grenze offen. Durch die Intensität braucht man allerdings sehr wenig: Für vier Portionen Risotto genügen etwa 0,1 Gramm, also ein kleiner Briefumschlag hält eine ganze Weile.

Wie sich dieser Preis rechnerisch zusammensetzt und warum Safran damit unangefochten das teuerste Gewürz der Welt ist, habe ich gesondert aufgeschrieben.

Wie erkenne ich gefälschten Safran?

Safran ist eines der am häufigsten verfälschten Lebensmittel überhaupt. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe hat 13 über Online-Shops bezogene Proben untersucht und acht davon wegen fehlender oder mangelhafter Kennzeichnung beanstandet. In einer Probe wies das Labor zudem den synthetischen Farbstoff Tartrazin (E 102) nach, mit dem gealtertes, verblasstes Material optisch aufgefrischt worden war. Zum Einsatz kamen dabei Mikroskopie, 1H-NMR-Spektroskopie, Dünnschichtchromatografie und HPLC. Den vollständigen Bericht veröffentlicht das Untersuchungsämter-Portal Baden-Württemberg.

Daraus lassen sich für den Einkauf ein paar harte Regeln ableiten:

Niemals gemahlenen Safran kaufen. Im Pulver lässt sich nicht mehr erkennen, was drin ist. Gestreckt wird typischerweise mit Kurkuma, Paprikapulver oder gefärbten Pflanzenfasern.

Den Wassertest machen. Echte Safranfäden geben ihre Farbe langsam ab, das Wasser wird gleichmäßig goldgelb, und die Fäden selbst bleiben rot. Färbt sich das Wasser sofort tiefrot oder orange und die Fäden bleichen aus, handelt es sich um gefärbtes Material, häufig um Saflor (Carthamus tinctorius), auch Färberdistel genannt.

Auf die Form achten. Echte Narbenschenkel sind an einem Ende trompetenartig aufgeweitet und gekerbt. Gefärbte Maisnarben oder Pflanzenfasern sind gleichmäßig dünn.

Den Preis ernst nehmen. Wer Safran deutlich unter 10 Euro pro Gramm anbietet, verkauft mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas anderes.

Safran als Statussymbol

Historisch war der hohe Preis nicht nur ein Nachteil, sondern der eigentliche Reiz. Auf mittelalterlichen Adelstafeln färbte Safran ganze Gerichte goldgelb und machte damit über den Saal hinweg sichtbar, wer sich das leisten konnte. Welche Rolle er neben Pfeffer und Zimt in der Küche der Oberschicht spielte, steht im Beitrag über Gewürze im Mittelalter. In Nürnberg wurde Safranfälschung im 14. Jahrhundert sogar mit dem Tod bestraft.

Safran ist eines der meistgefragten Gewürze überhaupt: 1.000 Suchanfragen pro Monat entfallen auf seinen Geschmack. Nur Matcha liegt in dieser Gruppe darüber. Die vollständige Auswertung steht im Geschmacksreport 2026.

Susanne
Susanne
Ich schreibe seit 2018 für wie-schmeckt.de und lande dabei fast immer bei den Themen, um die andere einen Bogen machen: Surströmming, Balut, frittierte Skorpione, dazu die ganze Bandbreite an Körpersekreten, über die niemand gern spricht. Zwei eigene Kinder haben mir nebenbei einen sehr direkten Zugang zu Muttermilch, Kolostrum und Plazenta verschafft. Zwischendurch schreibe ich über Kardamom, Kefir oder Burrata, damit der Kopf wieder frei wird.
Verwandte Artikel

Beliebte Artikel