
In gut sortierten Asia-Läden taucht sie manchmal auf, meist tiefgefroren oder in der Dose, seltener frisch und dann zu einem Preis, der jede andere Frucht in der Auslage alt aussehen lässt: die Mangostan. In Südostasien wird sie ehrfurchtsvoll als „Queen of Fruits“ bezeichnet, und wer einmal ein Stück des weißen Fruchtfleisches probiert hat, versteht meist schnell, warum. Ich habe mir angeschaut, wie Mangostan wirklich schmeckt, was den Aufbau der Frucht so besonders macht und woher sie stammt.
Wie schmeckt Mangostan?
Mangostan schmeckt süß-säuerlich und intensiv aromatisch, mit einem Geschmacksbild, das sich nicht auf eine einzige bekannte Frucht reduzieren lässt. Am ehesten trifft es eine Mischung aus Litschi, Weintrauben, Pfirsich und einem Hauch Grapefruit, dazu eine leicht blumige Note, die im Abgang hängen bleibt. Das Fruchtfleisch ist dabei so saftig, dass es beim ersten Biss fast zerfließt – wer schon mal eine Litschi gegessen hat, bekommt ein gutes Gefühl für die Textur, auch wenn der Geschmack von Mangostan insgesamt runder und weniger parfümiert ausfällt.
Aufbau und Textur der Frucht
Von außen wirkt eine Mangostan unscheinbar: eine tiefviolette, sehr zähe Schale, die etwa tomatengroß ist und einen Durchmesser von 3 bis 8 Zentimetern erreicht. Diese Schale ist ausgesprochen bitter und wird nicht mitgegessen, enthält aber Gerbstoffe und Xanthone, weshalb sie getrocknet gelegentlich zu Tee verarbeitet wird. Im Inneren verbirgt sich das eigentliche Highlight: vier bis acht weiße, weiche Segmente, die aussehen wie kleine Knoblauchzehen und einzeln aus der Schale gelöst werden können. Je nach Segmentgröße steckt darin ein kleiner, nicht essbarer Kern. Um die Frucht zu öffnen, wird die Schale meist ringsherum eingeritzt und wie ein Deckel abgehoben.

Herkunft und Anbau
Die Mangostan (botanisch Garcinia mangostana) stammt ursprünglich von der Malaiischen Halbinsel und wird heute vor allem in Thailand, Indonesien, Malaysia, Sri Lanka und Vietnam angebaut, in kleinerem Umfang auch in Mittelamerika und Australien. Die Bäume wachsen ausschließlich in tropischem Klima und brauchen erstaunlich lange, bis sie Ertrag bringen: sieben bis zehn Jahre vergehen bis zur ersten Ernte, die volle Ertragskraft erreichen die Bäume erst nach 10 bis 20 Jahren. Dafür können sie über ein Jahrhundert alt werden und tragen dabei weiterhin Früchte – ein einzelner ausgewachsener Baum liefert im Schnitt rund 500 Früchte pro Saison, bei besonders ertragreichen Exemplaren können es bis zu 5.000 sein. Die Haupterntezeit liegt zwischen November und Dezember, weshalb frische Mangostan hierzulande so gut wie nie zu finden ist – die Frucht ist nach der Ernte nur wenige Tage lang wirklich frisch und verträgt lange Transportwege schlecht.
Mangostan im Vergleich zu anderen exotischen Früchten
Wer regelmäßig exotische Früchte probiert, wird bei Mangostan schnell Anschluss an Bekanntes finden. Am nächsten kommt ihr geschmacklich die Litschi, auch wenn Mangostan insgesamt weniger intensiv parfümiert und dafür etwas säuerlicher schmeckt. Ähnlich verhält es sich mit Rambutan und Longan, die botanisch eng mit der Litschi verwandt sind und ein vergleichbar durchscheinendes, saftiges Fruchtfleisch haben, geschmacklich aber jeweils eigene Nuancen mitbringen. Von der säuerlich-cremigen Kiwi oder der eher milden Drachenfrucht unterscheidet sich Mangostan durch ihre deutlich vielschichtigere Süße und die feine Säure im Abgang, die sie zu einer der komplexesten tropischen Früchte macht, die man probieren kann.
Wo bekommt man Mangostan in Deutschland?
Frische Mangostan ist im deutschen Einzelhandel die Ausnahme und taucht, wenn überhaupt, saisonal in großen Asia-Märkten oder ausgewählten Feinkosthändlern auf, meist zu einem stattlichen Preis pro Stück. Deutlich verbreiteter sind tiefgefrorene oder eingelegte Mangostan in Dosen, die sich problemlos online oder in Asia-Supermärkten finden lassen und geschmacklich zwar etwas an Frische einbüßen, die charakteristische Süße aber gut erhalten. Außerdem wird die Frucht zu Saft, Konzentrat oder Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet, die vor allem wegen ihres hohen Gehalts an Xanthonen und Antioxidantien beworben werden – die dabei kursierenden gesundheitlichen Heilsversprechen sind allerdings wissenschaftlich bislang nicht ausreichend belegt und sollten mit Vorsicht betrachtet werden.



