
Kaktusfeigen liegen in deutschen Supermärkten meist ordentlich aufgereiht in kleinen Kunststoffschalen, oft mit einem Hinweis auf feine Dornen versehen, der viele Käufer eher abschreckt als neugierig macht. Dabei verbirgt sich hinter der stacheligen Schale ein saftiges, mild-süßes Fruchtfleisch, das mit etwas Übung völlig unkompliziert zu essen ist. Ich habe mir angeschaut, wie Kaktusfeige tatsächlich schmeckt, woher die ungewöhnliche Frucht stammt und worauf man beim Schälen unbedingt achten sollte.
Wie schmeckt Kaktusfeige genau?
Das Fruchtfleisch der Kaktusfeige schmeckt süß-säuerlich, saftig und angenehm erfrischend, am ehesten vergleichbar mit einer Mischung aus reifer Feige, Birne und Wassermelone. Wer schon einmal Feigen gegessen hat, findet diese honigartige Süße hier wieder, nur eingebettet in ein deutlich wässrigeres, leicht körniges Fruchtfleisch mit vielen winzigen, essbaren Kernen.
Besonders angenehm ist, dass die Frucht weder Bitterstoffe noch Giftstoffe enthält, der Geschmack bleibt also durchweg mild, selbst wenn die Frucht noch nicht ganz durchgereift ist. Gut gekühlt entfaltet sich das Aroma am besten, dann wirkt die Kaktusfeige fast wie ein natürlicher Durstlöscher, saftiger und weniger mehlig als eine reife Feige es normalerweise ist.

Herkunft: von Mexiko ans Mittelmeer
Die Kaktusfeige stammt vom Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica) und damit ursprünglich aus Mexiko, wo sie bereits von den Azteken als Kulturpflanze genutzt wurde. Erst spanische Seefahrer brachten die Pflanze Ende des 15. Jahrhunderts mit nach Europa, wo sie sich vor allem im Mittelmeerraum als äußerst genügsam erwies.
Heute wächst der Feigenkaktus auf Sizilien, in Süd- und Südostspanien sowie in weiten Teilen Süditaliens, mittlerweile aber auch in Australien und Südafrika. Auf Sizilien hat sich die Pflanze an den kargen, vulkanischen Hängen des Ätna besonders bewährt, wo sie zur Bodenverbesserung beitrug und heute ein festes Kulturgut ist. Die Erntesaison beginnt im August, importierte Früchte kommen meist von Juli bis September aus Italien und von August bis November aus Spanien in den deutschen Handel.
Sortenunterschiede: gelb, rot oder weiß
Im Handel wird selten zwischen Sorten unterschieden, dabei gibt es bei der Kaktusfeige durchaus spürbare Unterschiede je nach Farbe des Fruchtfleischs. Auf Sizilien, wo der Anbau seit Jahrhunderten Tradition hat, unterscheidet man vor allem drei Ökotypen: die gelb-orange Sulfarina mit weichem, sehr süßem und saftigem Fruchtfleisch, die tiefrote Sanguigna, die als die süßeste und beliebteste Variante gilt, sowie die weißliche Muscaredda, die bei Kennern wegen ihrer knackigeren Textur geschätzt wird.
Die intensive rote bis violette Färbung mancher Früchte stammt von Betalainen, natürlichen Farbpigmenten mit antioxidativer Wirkung, die auch in Roter Bete vorkommen. Je kräftiger die Farbe des Fruchtfleischs, desto wahrscheinlicher stammt die Frucht von einer der roten Sorten, die im Vergleich zu den gelben Varianten intensiver und süßer schmecken.
Vorsicht beim Schälen: die feinen Glochiden
Der eigentliche Grund für den etwas zwiespältigen Ruf der Kaktusfeige sind nicht die auffälligen großen Dornen, die meist schon vor dem Verkauf entfernt oder abgebürstet werden, sondern winzige, büschelweise angeordnete Glochiden, feine Widerhaken-Dornen, die kaum sichtbar, aber äußerst unangenehm in der Haut stecken bleiben können. Auch im Handel gebürstete Früchte sollten deshalb nie direkt mit bloßen Händen angefasst werden.
Zum Schälen schneidet man am besten beide Enden der Frucht ab, ritzt die Schale längs mit einem Messer ein und zieht sie vorsichtig ab, im Idealfall mit einer Küchenzange oder Handschuhen. Wer es sich einfacher machen will, halbiert die Frucht stattdessen quer und löffelt das Fruchtfleisch aus, ganz ähnlich, wie man es von einer Kiwi kennt. Die Schale selbst wird nicht mitgegessen.
Nährwerte: kalorienarm mit viel Ballaststoffen
Die Kaktusfeige ist mit rund 7 Gramm Kohlenhydraten und etwa 5 Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm ein vergleichsweise kalorienarmes, aber ballaststoffreiches Obst, dazu kommen etwa 0,8 Gramm Eiweiß. An Mineralstoffen liefert sie nennenswerte Mengen Kalium, Magnesium und Kalzium, außerdem Vitamin C, Vitamin E sowie verschiedene B-Vitamine.
Bemerkenswert ist zudem der Gehalt an allen essenziellen Aminosäuren, was für eine Frucht eher ungewöhnlich ist. Die bereits erwähnten Betalaine gelten als zusätzlicher Pluspunkt, da ihnen eine antioxidative Wirkung nachgesagt wird, auch wenn die Studienlage dazu insgesamt noch recht dünn ist.
Kaktusfeige in der Küche
Am häufigsten wird die Kaktusfeige einfach pur und gut gekühlt gegessen, als erfrischender Snack zwischendurch oder zum Abschluss eines Essens. Wer etwas experimentierfreudiger ist, verarbeitet das Fruchtfleisch zu Marmelade, Sirup oder Sorbet, presst daraus Saft oder setzt einen Likör an, wie es auf Sizilien seit Langem üblich ist.
Wer generell Lust auf exotische Früchte abseits des Standardsortiments hat, findet bei der Kaktusfeige eine gute Ergänzung zu Früchten wie Drachenfrucht oder Sternfrucht, die ähnlich unkompliziert im Geschmack, aber optisch deutlich auffälliger sind. Einmal richtig geschält, gehört die Kaktusfeige zu den unkompliziertesten exotischen Früchten überhaupt, und der anfängliche Respekt vor den Dornen legt sich spätestens beim ersten Bissen.



