Dubai-Schokolade schmeckt süß und intensiv nussig, mit einer buttrigen Pistaziencreme im Kern und einem knusprigen Kontrast durch geröstete Teigfäden. Dazu kommt bei guten Produkten eine leichte Sesamnote aus dem Tahini, die dem Ganzen eine herbe Tiefe gibt. Das Besondere ist weniger der Geschmack als der Texturwechsel: weicher Schmelz, dann plötzlich Crunch.
Woher die Dubai-Schokolade kommt
Entwickelt wurde sie 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier in Dubai. Die Idee war, das Prinzip des levantinischen Desserts Knafeh in eine Tafel zu übersetzen: Kadayif, also feine Teigfäden, geröstet und mit Pistaziencreme und Tahini vermischt, gefüllt in eine Schokoladenhülle.
Verkauft wurde das Produkt unter dem Namen „Can’t Get Knafeh of It“ zunächst nur lokal und in sehr kleinen Mengen. Ende 2023 machte ein TikTok-Video die Tafel international bekannt, und seither ist „Dubai-Schokolade“ eine Produktgattung, die überall nachgebaut wird.
Wie sie schmeckt
Der erste Eindruck ist der Schmelz der Schokolade, meist Vollmilch oder halbbitter. Darauf folgt die Füllung: cremig, salzig-nussig und deutlich pistazienlastig, mit einem knusprigen Widerstand durch das Kadayif, der an gerösteten Blätterteig erinnert.
Wie gut das funktioniert, hängt an drei Dingen. Erstens dem Pistazienanteil: Ist er zu niedrig, schmeckt die Füllung nur süß und fettig. Zweitens dem Röstgrad des Kadayif: zu hell bedeutet keinen Crunch, zu dunkel bedeutet bitter. Drittens der Frische: Kadayif zieht Feuchtigkeit aus der Füllung und wird nach einigen Wochen weich. Eine alte Tafel ist geschmacklich nur noch eine süße Nusscreme.
Was die Lebensmittelüberwachung gefunden hat
Das ist der Teil, den man vor dem nächsten Impulskauf kennen sollte. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat gemeinsam mit den Ämtern in Freiburg und Sigmaringen 38 Schokoladenproben und sieben Pistaziencremes untersucht, großenteils Importware aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei. Die Ergebnisse waren deutlich:
Es war oft gar keine Schokolade. Mehrere Proben enthielten Fremdfett, vor allem Palmöl, statt Kakaobutter. Wer sie als „Schokolade“ verkauft, täuscht die Verbraucher.
Prozesskontaminanten. Von 32 geprüften Proben wiesen 14 erhebliche Mengen an 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern auf. Bei neun Proben, alle vom selben Hersteller aus den Emiraten, lagen die Werte für Glycidylester weit über den zulässigen Höchstgehalten. Ursache ist vermutlich belastetes Palmöl in der Füllung.
Schimmelpilzgifte. In neun von 32 Proben wurde Aflatoxin B1 nachgewiesen, alle stammten aus den Emiraten. Bei den daraufhin genauer untersuchten Proben bestätigten sich Überschreitungen der gesetzlichen Höchstgehalte.
Kaum Pistazie. Von 26 geprüften Produkten enthielten acht Pistazien nur in geringen Anteilen, teilweise deutlich unter einem Prozent.
Nicht deklariertes Sesam. In fünf von 28 auf Allergene geprüften Proben fand sich Sesam in Mengen zwischen 6.000 und 79.000 Milligramm pro Kilogramm, ohne dass er auf der Verpackung stand. Für Menschen mit Sesamallergie ist das ein ernstes Risiko.
Der vollständige Bericht steht bei den Untersuchungsämtern Baden-Württemberg. Die Konsequenz daraus ist ziemlich klar: Finger weg von unklar deklarierter Importware, etwa aus Onlineshops oder Kioskregalen ohne deutsches Etikett. Produkte etablierter Hersteller aus deutscher oder europäischer Produktion sind die deutlich sicherere Wahl.
Woran du gute Ware erkennst
Ein vollständiges deutsches Etikett mit Zutatenliste, Allergenkennzeichnung, Hersteller und Adresse ist Pflicht und das Mindeste. Achte außerdem auf den angegebenen Pistazienanteil in Prozent; steht keiner da, ist meist wenig drin. In der Zutatenliste sollte Kakaobutter stehen und kein Palmöl oder „pflanzliches Fett“. Und Sesam beziehungsweise Tahini gehört aufgeführt, wenn er drin ist.
Preise zwischen 5 und 25 Euro pro Tafel sind üblich. Der Preis sagt allerdings wenig über die Qualität aus. Dass ein Preis auch fast vollständig aus Inszenierung entstehen kann, zeigt ein anderer Trend derselben Szene: essbares Blattgold schmeckt nach nichts und verlässt den Körper unverändert.
Dubai-Schokolade selbst machen
Selbermachen löst gleich zwei Probleme: Du weißt, was drin ist, und du kannst den Pistazienanteil selbst bestimmen.
Zutaten: 200 g gute Vollmilch- oder Zartbitterschokolade, 100 g Pistaziencreme mit hohem Pistazienanteil, 50 g Kadayif (Engelshaarteig, im türkischen oder arabischen Lebensmittelgeschäft), 1 EL Tahini, etwas Butter.
Zubereitung: Das Kadayif klein schneiden und in etwas Butter goldbraun rösten, dabei ständig rühren. Auskühlen lassen, sonst wird es nicht knusprig. Anschließend mit Pistaziencreme und Tahini vermischen.
Die Schokolade über dem Wasserbad schmelzen, eine Form zur Hälfte damit ausstreichen und kurz fest werden lassen. Die Füllung einfüllen, mit restlicher Schokolade abdecken, die Form aufklopfen und alles fest werden lassen.
Der häufigste Fehler: das Kadayif warm in die Creme geben. Dann zieht es Feuchtigkeit und wird weich, und genau der Crunch macht das Produkt aus.
Lohnt sich der Hype?
Geschmacklich ist die Kombination aus süß, nussig und knusprig tatsächlich ungewöhnlich und gut. Sie ist allerdings auch nicht neu, sondern eine Umverpackung von Knafeh, das es im Nahen Osten seit Jahrhunderten gibt. Wer den Geschmack mag, bekommt ihn in einer guten Konditorei als frisches Knafeh in besserer Qualität und meist günstiger.
Zum Weiterspielen: Der Name verrät die Herkunft, trotzdem tippen viele auf Saudi-Arabien oder Katar. Die Dubai-Schokolade ist eine der zwölf Fragen in Welches Land isst das?
