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Wie schmeckt eine Vagina?

Vaginalsekret schmeckt überwiegend leicht sauer, dazu salzig und je nach Zyklusphase mehr oder weniger metallisch. Es ist ein zurückhaltender, milder Geschmack, der sich über den Monat hinweg messbar verändert. Blumig-süß, wie es in manchen Texten steht, ist er nicht.

Warum es sauer schmeckt

Der Geschmack folgt direkt aus der Biologie. Die gesunde Scheide wird von Milchsäurebakterien, den Laktobazillen, besiedelt. Diese bauen Glykogen aus den Schleimhautzellen zu Milchsäure ab und halten damit ein saures Milieu aufrecht.

Der pH-Wert liegt normalerweise unter 4,4, also im deutlich sauren Bereich, vergleichbar mit Buttermilch oder Tomatensaft. Genau dieses Milieu ist der wichtigste Schutz gegen Krankheitserreger, und genau dieses Milieu schmeckt man.

Die salzige Komponente stammt aus den Elektrolyten im Sekret, die metallische Note vor allem aus Spuren von Blut, weshalb sie kurz vor und nach der Menstruation deutlicher hervortritt.

Was den Geschmack beeinflusst

Der Zyklus. Der spürbarste Faktor. Um den Eisprung herum wird das Sekret klarer, dünnflüssiger und milder, damit Spermien leichter passieren können. In der zweiten Zyklushälfte wird es dickflüssiger und säuerlicher.

Hormonelle Verhütung und Medikamente. Die Pille verändert das Sekret, ebenso Antibiotika, die die Laktobazillen mit schwächen können.

Ernährung und Lebensstil. Rauchen, viel Alkohol und einseitige Ernährung werden regelmäßig als Einflussfaktoren genannt. Wie bei anderen Körperflüssigkeiten gilt hier allerdings: Belastbare Studien dazu gibt es kaum, das meiste beruht auf Erfahrungsberichten.

Intimhygiene. Hier passiert der häufigste Fehler. Seifen, Intimsprays und vor allem Scheidenspülungen zerstören die Laktobazillenflora und heben den pH-Wert an. Das Ergebnis ist genau das Gegenteil des Gewünschten. Zur Reinigung genügt klares Wasser äußerlich, die Scheide selbst reinigt sich von innen heraus.

Der fischige Geruch nach dem Sex: der wahre Grund

Diese Beobachtung ist real, wird aber fast überall falsch erklärt. Es liegt nicht daran, dass Eiweiß im Sperma „denaturiert“.

Der tatsächliche Mechanismus ist ein anderer: Sperma ist leicht alkalisch, mit einem pH-Wert um 7,2 bis 8,0. Trifft es auf das saure Scheidenmilieu, steigt dort kurzzeitig der pH-Wert. Dadurch werden flüchtige Amine freigesetzt, unter anderem Trimethylamin, Putrescin und Cadaverin. Trimethylamin ist genau der Stoff, der auch alten Fisch nach Fisch riechen lässt.

Ein kurzzeitiger Effekt nach dem Sex ist damit normal. Genau dieses Prinzip nutzen übrigens Frauenärztinnen und Frauenärzte diagnostisch: Beim sogenannten Amintest wird dem Sekret eine Lauge zugesetzt, um denselben Geruch gezielt hervorzurufen.

Wann der Geruch ein Warnzeichen ist

Das ist der praktisch wichtigste Teil dieses Artikels. Ein anhaltender, deutlich fischiger Geruch unabhängig vom Geschlechtsverkehr ist das klassische Anzeichen einer bakteriellen Vaginose.

Dabei verschiebt sich das Gleichgewicht zulasten der Milchsäurebakterien, andere Bakterien vermehren sich, und der Ausfluss entwickelt, wie es die Berufsverbände der Frauenärzte formulieren, „einen unangenehmen, meist fischigen Geruch, der durch die gebildeten Amine entsteht“. Ein pH-Wert über 4,4 gilt als erster Hinweis auf eine Störung.

Die bakterielle Vaginose ist häufig und gut behandelbar, sollte aber nicht ignoriert werden: Unbehandelt erhöht sie in der Schwangerschaft das Risiko einer Frühgeburt und begleitet Eingriffe an der Gebärmutter mit einem höheren Infektionsrisiko. Weitere Informationen bieten die Frauenärzte im Netz.

Ebenfalls abklären lassen sollte man bröckeligen weißen Ausfluss mit Juckreiz, der auf eine Pilzinfektion hindeutet, sowie gelblich-grünen Ausfluss.

Schmecken alle Menschen gleich?

Nein. Die verbreitete Vorstellung, das Scheidensekret sei bei allen gesunden Frauen gleich zusammengesetzt, ist überholt. Das vaginale Mikrobiom unterscheidet sich zwischen Personen erheblich, sowohl in der Zusammensetzung der Bakterienarten als auch in ihrer Stabilität über die Zeit. Entsprechend variieren Geruch und Geschmack individuell.

Was man gesundheitlich wissen sollte

Auch beim Oralverkehr können sexuell übertragbare Infektionen weitergegeben werden, darunter Gonorrhoe, Chlamydien, Syphilis, Herpes und HPV. Das Risiko ist geringer als bei anderen Praktiken, aber vorhanden. Als Schutz gibt es Lecktücher, umgangssprachlich Dental Dams.

Und der offensichtlichste Punkt zum Schluss: Sexuelle Handlungen setzen beiderseitiges Einverständnis voraus. Wer den Geschmack unangenehm findet, darf das sagen, und wer sich unwohl fühlt, muss nichts tun. Ein Gespräch darüber ist unkomplizierter, als es sich anfühlt.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltend verändertem Geruch, Ausfluss, Juckreiz oder Brennen ist eine gynäkologische Abklärung angezeigt.

Sarah
Sarah
Mein Kühlschrank sieht selten nach Wocheneinkauf aus, eher nach Rückreise vom Asiamarkt: Sumach, Kung Pao Soße, eine Durian, die im Treppenhaus schon für Beschwerden gesorgt hat. Seit 2018 schreibe ich hier über genau solche Zutaten und darüber, warum das Umami einer Soße oft mehr über sie verrät als die Zutatenliste. Wenn ein Produkt hält, was die Verpackung verspricht, schreibe ich das. Wenn nicht, ebenfalls.
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