Es gibt für fast jedes Lebensmittel einen Gedenktag, und die meisten davon hat sich jemand ausgedacht. Trotzdem lohnt der Blick auf den Kalender, denn zwischen reinen Marketingterminen stehen Daten mit UN-Beschluss, kirchlicher Tradition oder einem nachweisbaren Ereignis dahinter.
Dieser Kalender sammelt 40 Ess- und Trinktage, sortiert nach Monaten. Zu jedem gibt es einen eigenen Beitrag mit Herkunft, Hintergrund und dem, was am jeweiligen Lebensmittel tatsächlich geregelt ist.
Woher diese Tage kommen
Bei der Recherche zu allen vierzig Terminen zeigten sich vier Muster, die sich überraschend klar trennen lassen.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Erstens die kirchlichen und bäuerlichen Termine. Erntedank und Martinstag sind keine Erfindungen, sondern gewachsene Feste. Beide hängen an der Ernte und an Abgabeterminen, nicht an einer Marketingidee.
Zweitens die UN-Tage. Der Weltmilchtag, der Welternährungstag, der Internationale Tag des Tees, der Welttag der Hülsenfrüchte und der Tag der Kartoffel gehen auf Beschlüsse zurück. Bei ihnen geht es fast nie um Genuss, sondern um Ernährungssicherung und Einkommen.
Drittens die Branchentage. Der Tag des Deutschen Apfels, der Tag des Deutschen Butterbrotes und der Weltnudeltag wurden von Verbänden ausgerufen. Das macht sie nicht uninteressant, ordnet sie aber ein.
Viertens die Importe. Ein erheblicher Teil stammt aus den USA und ist über Kalenderseiten nach Europa gewandert, oft ohne dass jemand den Anlass kennt. Der Tag der Erdbeere am 27. Februar ist das beste Beispiel: Er liegt drei Monate vor der deutschen Saison.
Januar
- 11. Januar: Tag des Deutschen Apfels. Liegt mitten im Winter, weil er nicht die Ernte bewirbt, sondern das Lager
Februar
- 5. Februar: Weltnutellatag. Von einer Bloggerin ausgerufen, nicht vom Hersteller
- 9. Februar: Tag der Pizza. Daneben gibt es den älteren neapolitanischen Termin am 17. Januar
- 10. Februar: Welttag der Hülsenfrüchte. UN-Beschluss, entstanden aus dem Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte
- 27. Februar: Tag der Erdbeere. Amerikanischer Import, weit vor der heimischen Saison
- Faschingsdienstag: Pfannkuchentag. Wandert mit Ostern, geht auf das Aufbrauchen von Eiern und Fett vor der Fastenzeit zurück
März
- 27. März: Internationaler Whisky-Tag. Erinnert an den Kritiker Michael Jackson, verbunden mit Spenden für die Parkinson-Forschung
April
- 23. April: Tag des Bieres. Der Erlass des Reinheitsgebots 1516 in Ingolstadt, das älteste belegte Datum im Kalender
Mai
- 5. Mai: Tag des Deutschen Brotes, siehe Tag des Brotes
- 13. Mai: Weltcocktailtag. Am 13. Mai 1806 erschien die erste gedruckte Definition des Wortes Cocktail
- 20. Mai: Weltbienentag und Tag des Honigs. Geburtstag des slowenischen Imkers Anton Janša
- 21. Mai: Internationaler Tag des Tees. UN-Beschluss, seit 2020 begangen
- 25. Mai: Tag des Weines. Einer von mehreren kursierenden Terminen
- 28. Mai: Tag des Hamburgers. Der Name führt nach Hamburg, das Gericht nicht
- 30. Mai: Tag der Kartoffel. UN-Beschluss auf Vorschlag Perus, erstmals 2024
Juni
- 1. Juni: Weltmilchtag. 2001 von der FAO ausgerufen
- Erster Freitag im Juni: Tag des Donuts. Geht auf die Heilsarmee im Ersten Weltkrieg zurück
Juli
- 7. Juli: Tag der Schokolade. Der verbreitetste von mehreren Terminen, die Begründung ist allerdings unbelegt
- 13. Juli: Tag der Pommes. Belgien und Frankreich streiten bis heute über die Erfindung
August
- 16. August: Tag der Bratwurst. Die Thüringer Rostbratwurst ist seit 1404 urkundlich belegt
September
- 4. September: Tag der Currywurst. Herta Heuwer mischte an diesem Tag im Jahr 1949 in Berlin die erste Currysauce
- 9. September: Tag des Wiener Schnitzels. Wiener Schnitzel bedeutet Kalbfleisch, alles andere heißt Wiener Art
- Letzter Freitag im September: Tag des Deutschen Butterbrotes. 1999 von der Agrarwirtschaft ausgerufen
- 29. September: Tag gegen Lebensmittelverschwendung. UN-Beschluss, erstmals 2020
Oktober
- 1. Oktober: Tag des Kaffees. Deutscher und internationaler Termin fallen inzwischen zusammen
- 1. Oktober: Weltvegetariertag. 1977 in Nordamerika ausgerufen
- Erster Sonntag im Oktober: Erntedankfest. Der mit Abstand meistgesuchte Termin des Kalenders
- 4. Oktober: Tag der Zimtschnecke. 1999 in Schweden erfunden, bewusst auf einen freien Herbsttermin gelegt
- Zweiter Freitag im Oktober: Welt-Ei-Tag. Guter Anlass, den Code auf der Schale zu lesen
- 16. Oktober: Welternährungstag. Gründungstag der FAO im Jahr 1945
- 16. Oktober: Welttag des Brotes. Deutsche Brotkultur ist seit 2014 immaterielles Kulturerbe
- 25. Oktober: Weltnudeltag. Geht auf einen Kongress in Rom 1995 zurück
November
- 1. November: Weltvegantag. Erinnert an die Entstehung des Wortes vegan im November 1944
- 4. November: Tag der Süßigkeiten. Liegt vier Tage nach Halloween, was kein Zufall sein dürfte
- 11. November: Martinstag. Der Beisetzungstag des heiligen Martin im Jahr 397
- 11. November: Martinsgans. Der Brauch stammt aus Naturalabgaben, nicht aus einer Legende
- 19. November: Tag der Suppe. Einer der wenigen Termine, die saisonal wirklich passen

Ohne festen Termin
- Tag des Döners. Döner Kebab ist in Deutschland erstaunlich genau definiert
- Dönerstag. Jeden Donnerstag, ein Kofferwort ohne Erfinder
- Muffin Monday. Jeden Montag, aus dem englischsprachigen Raum
- Welt-Mettbrötchen-Tag. Feiert eine deutsche Besonderheit, die im Ausland für Irritation sorgt
Welche Termine wirklich etwas taugen
Wer aus vierzig Tagen eine kurze Liste machen will, kommt auf wenige, die inhaltlich tragen.
Am besten belegt sind Tag des Bieres mit dem Reinheitsgebot von 1516, Tag der Currywurst mit Datum, Ort, Person und eingetragenem Warenzeichen, und der Weltcocktailtag mit einer gedruckten Definition von 1806. Bei diesen dreien lässt sich der Anlass tatsächlich nachprüfen.
Am schwächsten belegt sind die Termine, deren Begründung nur weitergereicht wird: der Tag der Schokolade mit seinem angeblichen Datum von 1550 und der Tag des Hamburgers, für dessen Erfindung mehrere Orte Anspruch erheben, ohne dass eine zeitgenössische Quelle existiert.
Und dann gibt es die Termine, bei denen der Anlass ernst ist: Welternährungstag, Tag gegen Lebensmittelverschwendung und Welttag der Hülsenfrüchte gehören nicht in die Kategorie Genuss, sondern in die Kategorie Versorgung.
Wer historisch tiefer einsteigen will, findet in der Kategorie Esskultur und Geschichte die passenden Hintergründe, etwa zu Brot und Getreide im Mittelalter oder zu Zucker und Süßungsmitteln im Mittelalter.

